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Eine leidenschaftliche Sozialarbeiterin

Foto: Stefan Arend

15 Jahre lang führte Ingrid Kilz den Paritätischen. Jetzt gibt sie den Stab an Nachfolger Philipp Thelen ab.

Foto: Stefan Arend

Essen. Der Essener Wohlfahrtsverband verabschiedet seine Geschäftsführerin Ingrid Kilz. Zeit ihres Berufslebens hat sie sich gegen Armut eingesetzt.

Sie sei eine Brückenbauerin gewesen, habe den Paritätischen mit Herz und Verstand geleitet und ihre Ziele leise aber bestimmt verfolgt: Wenn Ingrid Kilz an die vielen lobenden Worte denkt, die ihre Weggefährten und Vorgesetzten zu ihrem offiziellen Abschied gesagt haben, wird sie ein wenig verlegen. „Ich habe einfach nur meine Arbeit so gut ich konnte gemacht“, sagt die scheidende Geschäftsführerin des Paritätischen.

Die Bescheidenheit nimmt man ihr ab, denn Ingrid Kilz ist kein Mensch, der sich gerne in den Vordergrund stellt. Und sie hat die Attribute, die sich der Paritätische als Dachorganisation und Interessenvertretung für Initiativen, Selbsthilfegruppen und Sozialunternehmen auf die Fahnen geschrieben hat, im besten Sinne verkörpert: Überparteilich und überkonfessionell hat sich die gelernte Sozialarbeiterin engagiert für die Belange der Benachteiligten eingesetzt, ist Ausgrenzungen und Diskriminierungen entgegengetreten, hat dabei keine Konflikte gescheut, um ihre Ziele zu erreichen.
Armut wird in der Stadt nicht wahrgenommen

„Ich will an der Gestaltung des sozialen Lebens in einer Stadt mitwirken“, lautet ihr Credo, das sie bereits zu Beginn ihrer Berufstätigkeit formulierte. Dabei lag ihr das Thema Armut besonders am Herzen: So hat die 62-Jährige am ersten Armutsbericht für Deutschland mitgearbeitet, hat die statistischen Zahlen mit Leben gefüllt. Das war 1993, „damals machte ich Sozialhilfeberatung in Oberhausen, war also tagtäglich mit Menschen konfrontiert, die arm waren“.

Bis heute verfolgt sie die Thematik mit Leidenschaft, gerade weil sie weiß, dass Armut in der Stadt nicht wirklich wahrgenommen wird. „Politiker wollen nicht, dass der Norden verunglimpft wird. Sie beschäftigen sich lieber mit dem Strukturwandel“, lautet ihre Beobachtung.
Beraten, vernetzen, bündeln

So wichtig wie das Thema Armut war ihr auch immer die Stärkung von Minderheiten und Randgruppen: In Oberhausen hat Ingrid Kilz die Aidshilfe mit gegründet und in Essen Start 84, ein Wohnprojekt für Haftentlassene, das Café Vielfalt, eine offene Einrichtung für Homosexuelle, und die Krebsberatung mit auf den Weg gebracht. Da war sie bereits Geschäftsführerin des Paritätischen, hatte den Schritt aus der aktiven Sozialarbeit in die Interessenvertretung gewagt.

Das fiel ihr nicht schwer, denn auch hier konnte sie ihre Fähigkeiten einsetzen und mitgestalten. „Wir beraten, vernetzen, bündeln die Bedürfnisse unsere Mitglieder und vertreten sie in den entscheidenden Gremien“, gibt sie eine Kurzfassung ihrer Tätigkeit, die sie 15 Jahre lang ausübte. Ihren Abschied aus dem Berufsleben hat Ingrid Kilz selbst gewählt. „Ich habe noch viel vor, will mein Leben genießen, bevor ich zu alt bin“, sagt sie. Wer jetzt an die berühmte Weltreise denkt, liegt falsch. Ingrid Kilz wird auch im Ruhestand sozial aktiv bleiben: als Jugendschöffin und als Mitglied in der Eggers-Stiftung.

Den Stab gibt sie an den 40-jährigen Sozialarbeiter Philipp Thelen weiter. „Ich freue mich, dass ich ihm ein bestens aufgestelltes Haus übergeben kann“, sagt Ingrid Kilz, „und ich gehe mit einem guten Gefühl.“

Vera Eckardt

Quelle: WAZ

 



 
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